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Wanderreportagen ABO

Der Garten der Macht

Pflanzen nähren, Pflanzen heilen: Das wusste bereits Kaiser Karl der Grosse. Er bestimmte 89 Nutz- und Heilpflanzen, die überall in seinem Reich angebaut werden mussten und dazu dienten, Heer und Volk gesund zu halten. Liselotte und Beat Baumgartner haben im thurgauischen Mettendorf einen Karlsgarten nachgebaut.
10.04.2026 • Text und Bilder: Daniel Fleuti
Der Karlsgarten im thurgauischen Mettendorf, gebaut nach dem Vorbild der Gärten von Kaiser Karl dem Grossen.
Im Thurgauer Garten von Karl dem Grossen
Stettfurt, Dorfzentrum — Hüttlingen-Mettendorf • TG

Im Thurgauer Garten von Karl dem Grossen

Kaiser Karl der Grosse (748 bis 814 n. Chr.) überliess nichts dem Zufall: Um die Macht über sein Riesenreich zwischen Norddeutschland und Nordspanien zu sichern und um auf seinen vielen Reisen stets versorgt zu sein, erliess er die Landgüterverordnung. Diese schrieb unter anderem exakt vor, welche 89 Nahrungs-, Würz-, Heil-, Nutz- und Symbolpflanzen auf seinen Landgütern anzubauen seien. Liselotte und Beat Baumgartner haben im thurgauischen Mettendorf einen Karlsgarten nachgebaut. Die Wanderung führt zu dem Garten und startet in Stettfurt. Nach dem Gang durchs Dorf geht es zügig bergauf zum Schloss Sonnenberg auf dem unter Naturschutz stehenden Imebärg. Zahl- und artenreich blühen die Orchideen im lichten Wald. Das Schloss indes, 2007 von einem österreichischen Financier gekauft, ist zur Dauerbaustelle ohne Besuchsmöglichkeit verkommen. Rasten kann man rund eine halbe Stunde später, auf der wohl grössten Thurgauer Sitzbank. Bestimmt ein Dutzend Menschen geniessen hier die Sicht aufs Tal des Flüsschens Lauche. Der Weg zum Getschhuuserweier und nach Lustdorf zweigt kurz vor Wetzikon TG ab. Hat man das hübsche Dorf passiert, zeigen die Wegweiser nach Felben-Wellhausen. Erneut ist ruhiges Waldwandern angesagt. Für Abwechslung sorgt der Rundweg zu den Frauenschuh-Orchideen im Gebiet Bietehart. Taucht ein altes Hinweisschild «Achtung. Quellwasser Schutzgebiet» auf, verlässt man den signalisierten Wanderweg nach rechts und folgt dem breiten Waldweg. Dieser mündet bald in einen von rechts kommenden Weg, der einen in weiten Kehren nach Mettendorf bringt. Über die Oberdorf- und die Dorfstrasse gelangt man in die Honeggstrasse zum Karlsgarten. Er kann von Mai bis September am Mittwochnachmittag frei besichtigt werden, in der übrigen Zeit auf Voranmeldung (herborama.ch). Die Dorfstrasse und nach Querung der Hauptstrasse die Bahnhofstrasse führen schliesslich zum Bahnhof Hüttlingen-Mettendorf.

zum Wandervorschlag

«Wir befehlen: In den Gärten der kaiserlichen Hofgüter soll man alle nachgenannten Pflanzen ziehen.» Es folgt eine Liste mit 73 Nahrungs-, Würz-, Heil-, Nutz- und Symbolpflanzen, eine Zusammenstellung von 16 Obstbaumsorten für jede Saison und jeden Geschmack sowie die Anweisung, zum Schutz vor Gewittern auf dem Dach Donnerkraut (Hauswurz) zu halten. Zu finden sind diese Befehle in der Landgüterverordnung von Kaiser Karl dem Grossen. Das unter dem Namen «Capitulare de villis» bekannt gewordene Regelwerk schrieb den Hofgütern Karls – den Pfalzen – des Weiteren exakt vor, wie sie sich zu organisieren und verhalten hatten. Von Tierhaltung, Weinbau, Dreifelderwirtschaft, Obstpflege, Saatgutproduktion und Aufzucht junger Hunde bis hin zu Fleiss, Rechtsprechung und der Versorgung mit Bier war alles geregelt. Besagte Pflanzenliste bildet das letzte von 70 Kapiteln.

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