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Wanderreportagen ABO

Zukunftsträchtige Wasserläufe

Viele der typischen Walliser Bewässerungskanäle wurden bereits im Mittelalter gebaut. Im Lauf der Jahrhunderte haben die Suonen jedoch keineswegs an Bedeutung verloren, sondern im Gegenteil zusätzliche Aufgaben übernommen. Das zeigt die Familienwanderung entlang der Grand Bisse de Lens.
10.07.2026 • Text: Patricia MichaudBilder: Sandra und Stefan Grünig Karp, natur-welten.ch
Die Grand Bisse de Lens verläuft hoch über dem Rhonetal. Sie ist gesichert und deshalb für Kinder gut machbar.
Vielfältige Wege an der Grand Bisse de Lens
Icogne, Les Vernasses — Chermignon, Diogne • VS

Vielfältige Wege an der Grand Bisse de Lens

Im Wallis sind heute noch etwa 300 Suonen in Betrieb. Viele dieser traditionellen Bewässerungskanäle wurden im Mittelalter angelegt, so auch die Grand Bisse de Lens. Dieser Wasserlauf ist ein gutes Beispiel für die verschiedenen Funktionen der Suonen in der Neuzeit, namentlich für die Landwirtschaft, das Kulturerbe und den Tourismus. Auch Wandernden hat die Grand Bisse de Lens eine erstaunlich vielfältige Palette von Erlebnissen zu bieten. Los geht die Wanderung bei der Bushaltestelle «Icogne, Les Vernasses». Zu Beginn schlängelt sich die Route auf einem idyllischen, mit Wurzeln gespickten Weg durch die üppige Vegetation. Hier gilt es, sich nicht die Zehen zu stossen – vor allem, wenn man vielleicht gerade auf ein spannendes Bötchenrennen auf der Suone konzentriert ist … Nach etwa einer halben Stunde ist der technisch anspruchsvollste und spektakulärste Teil der Wanderung erreicht: das sich an die Felswand klammernde Aquädukt, flankiert von einem steilen und luftigen, weiss-rot-weiss markierten Pfad. Zwar ist die Passage mit Geländern und Seilen gesichert, erfordert aber dennoch Trittsicherheit. Wer für diesen Abschnitt etwas Mut aufbringen musste, wird dafür beim Punkt 1029 belohnt. Hier, wo die Suone einen Knick macht, laden Sitzbänke dazu ein, eine wohlverdiente Pause einzulegen und den Panoramablick aufs Rhonetal zu geniessen. Für Letzteres steht auch ein Hightech-Aussichtsfernrohr mit Angaben zu den umliegenden Gipfeln bereit. Beschaulich geht es danach weiter in Richtung Chermignon-d’en-Bas, mal unter freiem Himmel, mal im Schatten der Bäume. Immer wieder bieten sich vom Pfad aus schöne Ausblicke auf die Ebene, durch die sich die Rhone wie eine riesige Version einer Suone zieht. Mit leichtem Bedauern lässt man den ruhigen Wasserlauf hinter sich und absolviert die letzten Meter bis zur Bushaltestelle «Chermignon, Diogne» an der lärmigen Kantonsstrasse.

zum Wandervorschlag

Auf dem luftigen Pfad entlang des einfachen, in der Felswand verankerten Aquädukts aus Holz, das ein Rinnsal Wasser führt, wähnt man sich fast im Mittelalter. Am Ausgang des Tals der Liène, wo die Grand Bisse de Lens einen markanten Knick macht, wird man dann aber schlagartig ins 21. Jahrhundert zurückkatapultiert. Grund dafür ist der Anblick eines High-Tech-Aussichtsfernrohrs, auf dessen Display automatisch die Namen der angepeilten Gipfel der Umgebung angezeigt werden.

Der Abschnitt der Suone wurde kürzlich – aus touristischen Gründen und zur Erhaltung des Kulturerbes – im traditionellen Stil nachgebaut. Das Wasser in der Holzrinne wird vom Hauptteil des Kanals abgezweigt, der seinerseits versteckt durch einen in den 1980er-Jahren gebauten Tunnel fliesst.

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