Zauggsche fünf: Schreckhornhütte

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28.08.2021 • evelynewandert

Zauggsche fünf: Schreckhornhütte

Manchmal hat es auch sein Gutes, wenn ein geplantes Date ins Wasser fällt. In meinem Fall hat es mir die Erfüllung eines lange gehegten Wunsches erlaubt: Besuch der Schreckhornhütte. Vor einer Woche durfte dies sehr spontan sein. Wider Erwarten hatte es bei der Reservation am Vortag noch 8 Plätze frei. Vielleicht auch deshalb, weil die Wetterprognosen gegen das Wochenende hin kontinuierlich schlechter wurden? Jedenfalls hat mir die Zweitagestour alles geboten, was für mich den Reiz des Alpinwanderns mit Hüttenaufenthalt ausmacht: einen der schönsten Hüttenwege überhaupt, wandertechnisch fordernd aber nicht überfordernd, imposante Aussicht auf die Berner Viertausender, Gletscher fast zum Greifen nah, eine Hütte mit Bergsteigern und ihren Abenteuergeschichten.

Wer nicht genug Aufstiegsmeter haben kann, startet die Tour ab Grindelwald Dorf. Ansonsten ist Ausgangspunkt bei der Pfingstegg. Der Zustieg dauert ca. 4h 30 und gliedert sich in vier Abschnitte (Pfingstegg – Bäregg 1h 15, Bäregg – Bänisegg 45 min, Bänisegg – Rotes Gufer 1h 15, Rotes Gufer – Schreckhornhütte 1h 15), wovon der erste auf Bergwanderweg verläuft und entsprechend auch von «normalen» Bergwanderern problemlos begangen werden kann. Die Schlüsselstellen befinden sich allesamt im Bereich Rotes Gufer, einer Felsstufe, die mustergültig mit Seilen, Ketten, Leitern und Stiften gesichert ist. Auf kurzer Distanz werden dort 300 von total 1360 Höhenmetern bewältigt. Danach wird der Weg zwar wieder technisch einfach, aber in den verbleibenden 40 Minuten bis zur Hütte heisst es dennoch durchbeissen. Für die Strapazen wird man allerdings mit absolut fantastischem Panorama und Alpenflora reichlich belohnt.

Die Hütte ist grossartig gelegen und bietet eine traumhafte Aussicht auf die umliegenden Gipfel wie Eiger mit Mittellegigrat, Mönch, Fiescherhörner, Finsteraarhorn, Lauteraarhorn und natürlich Schreckhorn – ein wahrer Festsaal der Alpen! Bei der Platzzuweisung zum Essen hat es das Schicksal noch einmal sehr gut mit mir gemeint: Es verschlägt mich an einen Tisch mit einem Schweizer, der seit 25 Jahren den Spagat zwischen Schweiz und Schweden lebt, einem Bergsteigerpaar aus Oberösterreich und einem österreichischen Studenten aus Graz mit Praktikumsstelle in Zürich. Basis also für interessante Gespräche und einen kurzweiligen Abend, den ich mit einem relativ sehr späten Zubettgehen beende. Schade: Wegen Vollmond erübrigt sich diesmal das Sternegucken.

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    Schreckhorn und Lauteraarhorn

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    Wer findet das Biwak?

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    Lange Leitern im Roten Gufer

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    Schlafsaal mit „Stoffwändli“ für etwas Privatsphäre

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    Frische Ankezüpfe zum Zmorge!!!

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    Wetterumschwung über Nacht

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    Im Abstieg zurück zur Bäregg. Der Hüttenweg schlängelt sich dem Hang entlang.

    Leider sollten die Wetterfrösche Recht behalten, und so tropft es bereits während dem Frühstück. Zum Glück ist es kein intensiver Dauerregen, ansonsten hätte sich der Abstieg für mich sehr anspruchsvoll und ungemütlich gestaltet. In der Gesellschaft des österreichischen Studenten ist aber sogar das noch genussvoll, so dass ich diese Zweitagestour insgesamt in allerbester Erinnerung behalten werde.

    • Zustieg: in 4h 30 ab Pfingstegg, grösstenteils Alpinwanderweg, schwierigste Stellen gut gesichert, insgesamt äusserst attraktive Linienführung
    • Augen: atemberaubende Aussicht auf Berner und Walliser (Fast)Viertausender sowie Unders & Obers Iischmeer
    • Uebernachten: 65 Plätze in klassischem Massenlager, coronabedingt reduziertes Angebot. «Stoffwändli» zwischen den Matratzen bieten willkommene Privatsphäre
    • Gaumenfreuden: fürstliche Verköstigung mit Suppe, gemischtem Salat (inklusive Apfel-Rüebli-Topping), Spaghetti wahlweise mit Sauce Bolognese, cinque Pi oder Bärlauchpesto und Reibkäse, DessertTELLER mit Birne, Schoggimousse, Erdbeermousse und Rahm. Aber das Highlight folgte am Sonntagmorgen: frischgebackener Butterzopf, ein Gedicht! Eindrücklich: das erste Frühstück wird um 2h angeboten (Schreckhornbesteiger).
    • Gemüt: als bekennender Österreich-Fan (mehr dazu in meinem nächsten Blogbeitrag) hat mich besonders gefreut, dass ich das Glück hatte, mit insgesamt drei Österreichern am gleichen Tisch zu sitzen
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    Obers Ischmeer

    Hüttenwanderin

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