Warum uns die Wanderweg-Signalisation so sicher ans Ziel bringt
Warum uns die Wanderweg-Signalisation so sicher ans Ziel bringt
Wenn ich in der Schweiz auf den Wanderwegen unterwegs bin, brauche ich selten die Karte auf meinem Handy. Die gelben Wegweiser führen mich zuverlässig ans Ziel – etwas, das ich im Ausland oft vermisse. Wie ist es möglich, dass die einheitliche Signalisation hierzulande so gut funktioniert? Seit ich beim Verband Schweizer Wanderwege arbeite, sehe ich, was alles dahintersteckt und wie durchdacht das Ganze ist. In meinem Blogbeitrag mache ich einen Blick zurück, gehe auf die verschiedenen Grundlagen ein und zeige die neuesten Entwicklungen auf.
(Bild links: Start der Wanderweg-Begehung am Bahnhof Dachsen)
Ich habe die Wanderweg-Signalisation schon immer geschätzt. Diese Verlässlichkeit unterwegs, das intuitive Sich-Zurechtfinden – das fühlt sich fast selbstverständlich an. Und ich bin damit nicht allein: Die Studie «Wandern in der Schweiz» zeigt, dass Wegweiser und Markierungen für die grosse Mehrheit der Wandernden die wichtigste Orientierungshilfe sind.
Erst durch meine Arbeit beim Verband Schweizer Wanderwege habe ich begonnen zu realisieren, wieso die Signalisation eigentlich so gut ist. Besonders bei den alljährlichen Wanderwegkontrollen wird mir immer wieder bewusst, wie gut unser System funktioniert. Natürlich gibt es immer wieder Situationen, in denen die Signalisation nicht genau den Vorgaben entspricht oder der Weg etwas schwieriger zu finden ist. Dass man den Weg gar nicht findet ist aber eher selten. Es gibt auch immer wieder Situationen, die einen schmunzeln lassen: verdrehte Rhomben, «gewachsene» Rhomben oder anderes. Hier zwei Beispiele von meiner kürzlich erfolgten Begehung im Zürcher Weinland.
Nun aber ein genauer Blick in die Grundlagen.
Warum sind die Wegweiser eigentlich gelb?
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: der Farbe. Das typische Wegweisergelb wurde zu Beginn der Wanderbewegung ganz pragmatisch gewählt. Grün verschwindet zu sehr im Wald, und Orange oder Rot mochte der Gründervater der Schweizer Wanderbewegung, Johann Jakob Ess, nicht – er war leicht farbenblind. Um 1934 herum, als die Schweizerische Arbeitsgemeinschaft für Wanderwege gegründet wurde, fiel deshalb die Wahl auf Gelb.
Aber eine Farbe allein macht natürlich noch keine schweizweit einheitliche Signalisation. Was steckt also noch dahinter?
Vom Verfassungsauftrag zum digitalen Tool
Seit einer Volksinitiative von 1979 sind die Wanderwege in der Bundesverfassung verankert. 1985 folgte das Fuss- und Wanderweggesetz, das unter anderem festhält, dass Wanderwege markiert werden müssen.
Damit aber klar ist, wie diese Markierungen auszusehen haben, wurde das Ganze in mehreren Etappen präzisiert:
- 1992 kamen erste Richtlinien,
- 2006 wurden alle Details in die Norm für die Signalisation des Langsamverkehrs aufgenommen
- 2008 folgte die erste Ausgabe des Handbuchs «Signalisation Wanderwege» zur praxisnahen Konkretisierung der Norm (aktuelle 2. Auflage aus 2013).
Diese Norm ist, ehrlich gesagt, so trocken wie es klingt: Definitionen, Massangaben, Vorgaben über Vorgaben. Und trotzdem faszinierend – weil sie erklärt, weshalb ich unterwegs kaum je zweifeln muss, ob ich noch auf dem richtigen Weg bin. Bis 2024 nutzten die Kantone verschiedene digitale Tools für die Planung der Signalisation. Seit 2024 arbeiten alle mit der Fachapplikation Langsamverkehr, einer Software des Bundes. Sie enthält das gesamte Wanderwegnetz, hilft bei der genauen Planung jedes Wegweisers – und erstellt sogar die Druckvorlagen für die Tafeln. Ich staune jedes Mal, wenn ich alle Wanderwege, Standorte und Zwischenziele gleichzeitig auf dem Bildschirm sehe.
Kleine Anpassung, grosse Wirkung
Letztes Jahr wurden die Basics der Wanderweg-Signalisation sogar in die Signalisationsverordnung aufgenommen – also in die gleiche Verordnung, die regelt, wie Autobahnschilder oder Parkplatzmarkierungen aussehen. Fürs Wandern bleibt zum Glück Vieles alles beim «Altbewährten». Nur das Wanderer-Piktogramm wurde leicht angepasst – es soll geschlechtsneutraler wirken.
Aktuell prüfen wir die Grundlagen auf ihre Praxisnähe und Aktualität – gemeinsam mit Fachleuten aus verschiedenen Bereichen. Darauf basierend werden wir das Handbuch und die Norm überarbeiten. Und natürlich bedeutet das auch: neue Programmierungen in der Fachapplikation, denn jedes Detail der Signalisation ist dort haargenau hinterlegt.
Ohne Menschen geht’s nicht
So viel zur Theorie. Denn die schönste Norm hilft nicht, wenn sie niemand umsetzt. Schweizweit kümmern sich rund 2000 Freiwillige darum, die Wegweiser anzubringen, zu pflegen und im Schuss zu halten. Viele besuchen vorher einen unserer zweitägigen Signalisationskurse.
Ich finde das grossartig – denn am Ende sind es diese Menschen, die dafür sorgen, dass wir uns unterwegs auf die kleinen gelben Pfeile verlassen können.