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Auf den Spuren der schwarzen Brüder im Verzascatal Nr. 2282
Sonogno — Lavertezzo • TI

Auf den Spuren der schwarzen Brüder im Verzascatal

Das Buch «Die schwarzen Brüder» von Lisa Tetzner erzählt die Geschichte von Giorgio aus Sonogno im Verzascatal und beruht auf wahren Gegebenheiten. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Jungen aus Tessiner Tälern aus wirtschaftlicher Not nach Mailand verkauft, um dort als Kaminfegerjungen zu arbeiten – so geschieht es auch mit Giorgio. Doch dem Jungen gelingt es, aus den ausbeuterischen Verhältnissen zu fliehen, und Jahre später kehrt er als Lehrer ins Tessin zurück. Die Wanderung von Sonogno der Verzasca entlang folgt den schicksalhaften Wegen der Kaminfegerjungen Richtung Mailand. Vom Wasser glatt geschliffene, mächtige Felsblöcke am Ufer und im Bachbett liegen noch immer an den gleichen Orten wie damals. Einige mit Laub bedeckte, steinige Abschnitte erfordern Trittsicherheit und Aufmerksamkeit. Bei Lavertezzo, dem Ziel der Wanderung, führt der Wanderweg über die berühmte Steinbogenbrücke. Ihre Seitenmauern sind ungewohnt niedrig. Sie wurden absichtlich nur kniehoch gebaut, damit die Packsäcke der Esel genügend Platz hatten. Das glasklare Wasser unter der Brücke und die spektakulären Felsformationen sind beliebte Fotosujets.
Seenwanderung mit leuchtenden Lärchen Nr. 2281
Pontresina — Sils/Segl Maria • GR

Seenwanderung mit leuchtenden Lärchen

1929 schrieb Annemarie Schwarzenbach als 21-Jährige von ihren Gefühlen für eine andere Frau, in die sie sich während der Ferien in einem Hotel in St. Moritz verliebt hatte. Ihr literarisches Coming-out, mit dem sich Schwarzenbach über gesellschaftliche Normen hinwegsetzte, wurde erst 2008, lange nach ihrem Tod, unter dem Titel «Eine Frau zu sehen» publiziert. Nach ausgedehnten Reisen liess sich Schwarzenbach im Engadin in Sils Baselgia nieder, wo sie mit 34 Jahren an den Folgen eines Fahrradunfalls starb. Vom Bahnhof Pontresina führt die Wanderung durch den Stazerwald zum beinahe unwirklich schönen Lej da Staz, in dessen ruhigem Wasser sich die farbigen Lärchen und umliegenden Berggipfel spiegeln. Unterwegs machen immer wieder Tannen- und Haubenmeisen auf sich aufmerksam, die mit Haselnüssen gefüttert werden möchten. Schon seit Vogelgenerationen sind sie es gewöhnt, in diesem Gebiet von Menschen gefüttert zu werden. An herbstlich verfärbten Moorlandschaften und am Rand von St. Moritz entlang geht es auf Wegen weiter, die Annemarie Schwarzenbach sicher auch gekannt hat. Von den Ufern des Lej da Champfèr und des Silvaplanersees ist Sils schon in der Ferne zu sehen.
Durchs Naherholungsgebiet bei Zürich Nr. 2280
Zollikerberg — Stettbach • ZH

Durchs Naherholungsgebiet bei Zürich

«Fremde Hände» ist Petra Ivanovs Debüt und der Beginn einer Buchserie mit dem Ermittlerpaar Flint und Cavalli. Im ersten Band ermitteln die beiden im Zürcher Rotlichtmilieu, wobei die komplexe Beziehung zwischen der Bezirksanwältin und dem Kriminalkommissar der Geschichte eine zusätzliche Ebene verleiht. Die Wanderung beginnt am Zollikerberg am Rand von Zürich. Schon nach ein paar Schritten durch das Quartier hinunter zum Wehrenbach scheint die Stadt weit weg zu sein. Unerwartet gibt es im Stöckentobel eine Begegnung mit einem Elefanten. Ende des 19. Jahrhunderts liess der Verschönerungsverein Zürich diese Elefantenskulptur im Bachbett errichten. Am Ufer lädt eine Feuerstelle mit wettergeschützten Sitzgelegenheiten zum Verweilen ein. An den Sportanlagen von Witikon vorbei steigt der Wanderweg hoch zum Lorenchopf. Der Aussichtsturm mit Alpen-, Vogesen- und Schwarzwaldsicht ist ebenfalls ein Werk des Verschönerungsvereins Zürich. Auch hier gibt es einladende Feuer- und Picknickstellen. Der Abstieg führt durch den Wald hinunter nach Gockhausen, dem Rückzugsort des Ermittlerpaars Flint und Cavalli, und weiter hinunter nach Stettbach.
Aussichtsreich vom Napfgebiet ins Entlebuch Nr. 2279
Trub, Löwenplatz — Escholzmatt • BE

Aussichtsreich vom Napfgebiet ins Entlebuch

Paul Wittwers «Giftnapf», dessen Handlung im Napfbergland spielt, ist Kriminal- und Heimatroman in einem. Als der Dorfarzt von Trub unerwartet stirbt, meldet sich ein Assistenzarzt aus Bern als Ersatz. Nach einigen anstrengenden Arbeitsjahren hofft er im Emmental auf ruhigere Zeiten. Doch eigenartige Vorkommnisse und mysteriöse Todesfälle wecken Sutters Spürsinn, und mit seiner Neugier bringt er sich bald selbst in Gefahr. Die Wanderung beginnt mitten auf dem Dorfplatz in Trub. Wer die beiden in der Umgebung gedrehten Filme «Verdingbub» und «Herbstzeitlosen» kennt, wird den Eindruck haben, schon einmal hier gewesen zu sein. Die Route führt kurz der Trueb entlang und steigt dann über den Risiseggknubel an bis auf einen aussichtsreichen, breiten Rücken. Die Höfe liegen hier in der Gegend weit auseinander, was während der Täuferverfolgung ein Vorteil war. Auf dem Gemeindegebiet von Trub versteckten viele Bauernfamilien Täufer in ihren Häusern. Kurz vor dem Bock, dem höchsten Punkt der Wanderung, führt der Wanderweg vom Kanton Bern in den Kanton Luzern. Mit Blick zu den Alpen und zur nahe gelegenen Beichle folgt der Abstieg hinunter nach Escholzmatt.
Bei mystischer Stimmung über die Homberglücke Nr. 2278
Hauenstein, Löwen — Olten • SO

Bei mystischer Stimmung über die Homberglücke

Mit seiner Kurzgeschichtensammlung «Der König von Olten» machte Alex Capus seinem Wohnort eine Liebeserklärung. Sein Buch über hübsche Ecken der Stadt, Schokoladendüfte, liebenswerte und schrullige Mitbürger und nicht zuletzt über den König von Olten – einen schwarzen Kater – stand wochenlang auf den Bestsellerlisten. Die Wanderroute verläuft von Hauenstein aus in einem aussichtsreichen Bogen über die Challhöchi, die Homberglücke und die Rumpelhöchi, bevor sie zum Schauplatz der Geschichten hinunter nach Olten führt. Vor der Wanderung muss unbedingt abgeklärt werden, ob beim Schiessplatz Spittelberg der Wanderweg passierbar ist. Beim Abstieg durch den Wald ist wegen des Falllaubs Trittsicherheit und Vorsicht geboten. Durch grüne Quartiere führt der Wanderweg in die Altstadt von Olten, wo sich der König hofieren liess, Restaurants besuchte und in Buchhandlungen und Büros erholsame Nickerchen abhielt. Die Untertanen setzten dem inzwischen verstorbenen Kater gar ein Denkmal in der Altstadt. Um es nicht zu verpassen, weicht die Wanderroute deshalb kurz vom offiziellen Wanderweg ab. Über eine alte Holzbrücke ist nach wenigen Minuten der Bahnhof erreicht.
Farbige Herbstwälder und Sandsteinfelsen Nr. 2277
Hindelbank, Post — Schönbühl • BE

Farbige Herbstwälder und Sandsteinfelsen

In Christine Brands Roman «Kalte Seelen» lässt sich eine Journalistin für eine Reportage in die Justizvollzugsanstalt Hindelbank einschliessen. Dort stösst sie beim Recherchieren auf dunkle Geheimnisse, die auch mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun haben. Kurz nach dem Start in Hindelbank führt der Wanderweg unmittelbar an den Abschrankungen der Justizvollzugsanstalt vorbei, dem einzigen Gefängnis für Frauen in der deutschsprachigen Schweiz. Jedes Jahr findet hier im barocken Schlosshof am Freitag und Samstag vor dem ersten Advent ein stimmungsvoller, öffentlich zugänglicher Weihnachtsmarkt statt. Vorbei an Feldern und durch den Wald geht es weiter auf den Mooshubel. Vor den Alpengipfeln in der Ferne thront auf der gegenüberliegenden Talseite weithin sichtbar die Strafanstalt für Männer, der Thorberg. Bei Krauchthal, schön gelegen im Tal des Chrouchtalbachs, erheben sich markante Sandsteinfelsen. Aus den Sandsteinbrüchen der Gegend stammt das Baumaterial für das Berner Münster. Wer genug von Hartbelag hat, kann die Wanderung in Krauchthal oder Hub beenden oder aber durch kleine, eiszeitlich geprägte Täler farbigen Waldrändern entlang weiter nach Schönbühl wandern.
Durch die Twannbachschlucht am Bielersee Nr. 2276
Twann, Bahnhof — Twann • BE

Durch die Twannbachschlucht am Bielersee

Als Friedrich Dürrenmatt seinen ersten Kriminalroman «Der Richter und sein Henker» schrieb, fand er in seiner Wohnregion am Bielersee die passenden Schauplätze dazu. Zwischen Twann, Lamboing und Ligerz kommt es in Dürrenmatts Werk zu dramatischen Szenen zwischen Kommissar Bärlacher und seinem Widersacher Gastmann. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Gut und Böse. Die Wanderung beginnt in Twann und führt durch die malerische Twannbachschlucht mit eindrücklichen Felsformationen, kleinen Wasserfällen und moosbehangenen Bäumen. Für den Unterhalt des Wanderwegs durch die Schlucht erhebt die Gemeinde eine Gebühr von zwei Franken, die am Eingang der Schlucht bezahlt werden kann. Nach dem Aufstieg ist auf der Hochebene am Fuss des Mont Sujet das Dorf Lamboing sichtbar, wo der Kommissar bei seinen Nachforschungen von einem Wachhund gebissen wurde. Nach Prêles geht es wieder in den Wald und am legendenumrankten Brunnen Fontaine de Velou vorbei hinunter Richtung La Neuveville. Mit schönem Blick über den Bielersee bis zu den Alpen folgt der Wanderweg dem Jakobsweg durch die goldgelben Rebberge und an der beliebten Hochzeitskirche von Ligerz vorbei zurück nach Twann.
Höhenwanderung im Saanenland Nr. 2275
Abländschen, Mittelberg — Saanen • BE

Höhenwanderung im Saanenland

In «Eurotrash», einer autofiktionalen Geschichte von Christian Kracht, unternimmt ein Sohn mit seiner sterbenskranken, dementen Mutter eine letzte Reise, die sie kreuz und quer durch die Schweiz und auch ins Saanenland führt, wo der Autor aufgewachsen ist. Komplizierte Familienverhältnisse sorgen für eine konfliktreiche Ausfahrt mit Momenten des Fremdschämens und der Komik. Von Mai bis Ende Oktober verkehrt das Postauto zwischen Saanen und Jaun und bringt einen zum Startpunkt der Wanderung bei Mittelberg. Aussichtsreich führt die Route in leichtem Auf und Ab am Fuss des Schneitgrats und des Planihubels entlang und über die breiten Rücken von Hugeligrat und Rellerligrat. Rundum erheben sich Gipfel, die zwar nicht hoch, aber eigenwillig geformt sind. Im Herbst sind die Weiden abgefressen, die Alpen verlassen und die Tiere zurück im Tal. In den Käsekellern reift der Käse der vergangenen Alpsaison. Auf dem abschnittsweise steilen Abstieg vom Rellerli hinunter nach Saanen ist von oben das Flugfeld von Saanen sichtbar, wo der Ich-Erzähler und seine Mutter um ein paar Hunderttausend Franken bestohlen werden. An der Kirche und dem sehenswerten Dorfkern von Saanen vorbei leitet der Wanderweg zum Bahnhof.
Inspirierende Weite am Genfersee Nr. 2274
Pully, Chenaulaz — Cully • VD

Inspirierende Weite am Genfersee

Im Roman «Lieblingstochter» von Sarah Jollien-Fardel spielt die Region um Lausanne eine wichtige Rolle. Hier fühlt sich die Protagonistin Jeanne frei und voller Lebensfreude und kann sich von ihrer bedrückenden Vergangenheit in einem Walliser Bergdorf lösen – wenn auch nicht ganz. Diese Wanderung führt zunächst durch den herbstlich verfärbten Wald Bois de la Chenaula mit eindrücklichen Felsblöcken von einem Bergsturz und dann durch grüne Villenquartiere weiter hinunter ans Ufer des Genfersees. Bei hohem Wellengang spritzt die Gischt stellenweise bis zum wassernahen Wanderweg. Nach Lutry führt die Route weg vom See und hoch zu den Rebbergen. Der folgende Abschnitt verläuft hauptsächlich auf Hartbelag. Unterwegs ist die milde Wärme der «drei Sonnen» spürbar, welche die Trauben in der Region Lavaux reifen lassen. Mit «drei Sonnen» sind die direkte Sonneneinstrahlung, ihre Rückstrahlung vom Genfersee und die gespeicherte Sonnenwärme in den Steinmauern gemeint. Im Herbst ziehen eindrückliche Starenschwärme durch die Rebberge auf der Suche nach übrig gelassenen Trauben. Die Aussicht zu den Savoyer und Walliser Alpen, die gelb leuchtenden Reben, das weiche Herbstlicht und die Weite des Genfersees geben Energie für neblige Herbsttage.
Durch Rebberge und über eine Hängebrücke Nr. 2273
Chamoson-St-Pierre-de-Clages — Saillon, Collombeyres • VS

Durch Rebberge und über eine Hängebrücke

Im 19. Jahrhundert verbreitete Joseph-Samuel Farinet gefälschte 20-Räppler und andere Münzen im Wallis. Der Falschmünzer war bei den Einheimischen beliebt, da er das Geld an Bedürftige verteilte. 1880 wurde Farinet bei Saillon von der Polizei gestellt und starb dabei unter ungeklärten Umständen in der Schlucht der Salentse. In «Farinet oder das falsche Geld» erzählt Charles Ferdinand Ramuz die abenteuerliche Geschichte dieses Mannes, der noch heute als Volksheld verehrt wird Die Wanderung zu den Schauplätzen des Romans führt durch den Winzerort St-Pierre-de-Clages und weiter durch goldgelbe Rebberge, hinter denen sich die eindrücklichen Felswände des Haut de Cry erheben. Schon vor Leytron ist in der Ferne der Burghügel von Saillon sichtbar. Nach einem steilen, kurzen Aufstieg durch Produit und Montagnon führt die Wanderung über die Hängebrücke Passerelle à Farinet, welche die eindrückliche Schlucht der Salentse überspannt. An den Felswänden verläuft die Via Farinetta, ein Klettersteig. Von Weitem wirken die kraxelnden Menschen wie Ameisen am Fels. Nach dem Abstieg durch Saillon, das zu den ältesten mittelalterlichen Städtchen der Schweiz zählt, laden unten im Talboden Thermalbäder zum Hinauszögern der Heimreise ein.
Panoramawanderung auf den Mont Rouge Nr. 2211
Thyon • VS

Panoramawanderung auf den Mont Rouge

Wanderbegeisterte Eltern warten sehnsüchtig auf diesen einen Moment: Wenn ihr Kind nach Jahren des Wanderns im flachen Gelände entschlossen verkündet: «Wandern im Flachen ist für Babys. Ich will auf Gipfel und Kreten.» Der Plan eines Ausflugs entlang einer Suone wird verworfen und rasch steht eine Alternative fest – eine Wanderung auf den Mont Rouge. Diese Route erfüllt nicht nur alle Anforderungen des Wandernachwuchses, sondern bietet auch noch weitere Highlights: einen Panoramaweg mit Blick auf die Walliser Viertausender und die imposante Staumauer Grande Dixence, die sogenannten «Gouilles»–Teiche, in denen man die Füsse baden und Amphibien beobachten kann, sowie mehrere gemütliche Terrassen, welche die Gelegenheit bieten, sich eine Glace zu gönnen. Nicht zu vergessen die Seilbahn, mit der die fast 800 Höhenmeter zwischen Veysonnaz und Thyon ganz bequem, ohne anstrengenden Auf- oder Abstieg, zurückgelegt werden können. Kurzum, es ist die perfekte Familienwanderung – vorausgesetzt, dass die Kinder bereits trittsicher sind. Der Wanderweg beginnt bei der Seilbahnstation. Ab da folgt man den Wegweisern in Richtung «Gouilles d’Essertze». Nach einem ersten, wenig ansprechenden Wegstück, das mitten durch eine Wintersportanlage führt, erreicht man den wunderschönen Panoramaweg, der zu den kleinen Seen führt. Sowohl die Flora als auch die Aussicht lassen die Wanderherzen höherschlagen. Der Nachteil ist, dass man auf diesem Teil der Wanderung selten allein unterwegs ist. Es lohnt sich, die Picknickpause bei den «Gouilles», einer Reihe aufeinander folgender Teiche, einzulegen. Hier tummeln sich Dutzende von Molchen und kleinen Fröschen. Nach der Pause folgt der anstrengende Teil der Wanderung – der kurze, aber steile Aufstieg zum Gipfel des Mont Rouge. Dieser Wegabschnitt ist auf der Karte nicht als markierter Wanderweg angegeben, im Gelände ist er jedoch markiert. Ein kurzes Familien-Selfie auf dem Gipfel, dann geht es weiter auf dem schönen, aber schmalen Grat, der über den Mont Carré und La Tsermetta zurück zur Bergstation der Seilbahn führt. Der letzte Abstieg, der direkt zu den beiden Restaurants in Thyon hinunterführt, ist leider nicht sehr angenehm.
Auf dem Felsenweg zur Glecksteinhütte Nr. 2214
Grindelwald, Abzw. Gleckstein • BE

Auf dem Felsenweg zur Glecksteinhütte

Die Wanderung auf die Glecksteinhütte SAC auf 2317 m ü. M. geht in die Beine, lohnt die Mühen aber absolut. Von Grindelwald aus verkehrt ein Bus zum Abzweiger «Gleckstein», dort startet die Wanderung. Zunächst geht es über Alpweiden aufwärts, der Weg ist sonnenexponiert. Schliesslich erreicht man eine steile Felswand. Hier kann es selbst im August noch Schneefelder geben. Der Felswand entlang folgt man dem Ischpfad, einem schmalen Weg, der zum Teil mit Ketten gesichert ist. Schwindelfreiheit ist hier ein Muss, denn es geht nach rechts steil abwärts in eine tiefe Schlucht, deren Boden man nie sieht. Die Bergwelt des Berner Oberlands rückt immer näher, die Aussicht ist spektakulär. Plötzlich schiesst hoch über einem ein Wasserfall aus dem Felsen, je nach Wasserstand kriegen die Wandernden einige Spritzer ab. Wenn man fast das Ende der Schlucht erreicht hat, steigt der Weg nochmals an. Im Zickzack geht es steil hinauf. Und plötzlich hat man freie Sicht auf den Oberen Grindelwaldgletscher, der sich nah und gewaltig vor einem auftürmt. Wasserfälle tosen aus dem Eis in die Tiefe, reissen manchmal Eismasse mit, alles scheint in Bewegung. Der Blick in die andere Richtung zeigt einem fast gleichzeitig die Glecksteinhütte, hoch oben noch. Der Schlussanstieg führt etwas weniger steil über eine Alpwiese. Die Rast ist verdient, der Empfang herzlich. Wer möchte, kann in der Hütte übernachten. Sonst lohnt sich zumindest das Einkehren wegen des guten Essens und der erfrischenden Getränke. Die Sonnenterasse bietet eine fantastische Sicht auf den Gletscher oder ins Tal in Richtung Grindelwald. Dorthin geht es nach der Stärkung und Pause ausgeruht zurück auf demselben Weg.
Fünf Seen und das Matterhorn im Blick Nr. 2215
Blauherd — Riffelalp • VS

Fünf Seen und das Matterhorn im Blick

Die 5-Seen-Region oberhalb von Zermatt gehört zu den beliebtesten Wandergebieten der Schweiz. Wer aber abseits der bekanntesten Routen wandert, findet auch dort einsame Flecken. Unsere Variante startet bei der Bergstation Blauherd. Statt sich auf den klassischen 5-Seenweg zu begeben, zweigt man hinter der Station nach links ab. Sogleich geht es steil hinauf. Die Strapazen werden aber entlöhnt mit einer schönen Sicht auf die Seen und den Findelgletscher. Wer einen Blick zurück wirft, sieht das Matterhorn. Auf diesem Bergwanderweg gibt es weniger Leute als auf der klassischen Route, man kann für sich wandern, hat aber die Seen und die spektakuläre Bergwelt trotzdem immer im Blick. Da man sich durchwegs über der Baumgrenze aufhält, soll aber ein guter Sonnenschutz nicht vergessen werden. Via einem Abzweiger geht es rechts runter zum Stellisee. Hier lässt man die Einsamkeit zurück und befindet sich mitten im Touristenrummel. Der See ist eine Attraktion und zu Recht so. In seiner Oberfläche spiegelt sich das Matterhorn, ein beliebtes Fotomotiv. Die Stimmung hier ist trotz der vielen Leute gut: viele sehen das Matterhorn zum ersten Mal, freuen sich, sind aufgeregt. Die Wanderung führt weiter in Richtung Riffelalp. Zunächst folgt der Weg einem Bächlein, dann geht es durch einen lichten Wald. Der Weg ist gut ausgebaut, immer wieder bietet sich nach einer Kurve ein frischer Blick auf das Matterhorn. Durch ein Naturschutzgebiet mit vielen Alpenblumen gelangt man an den Grüensee. Ein hübscher Platz für eine Rast, der kleine See ist nicht ganz so stark frequentiert wie der Stellisee. Weiter geht es schliesslich durch einen Lärchenwald, auf einem verschlungenen, verspielten Pfad. Kaum mehr Menschen begegnen einem hier, bis man plötzlich bei der Bahnstation Riffelalp angelangt, wo man entweder noch hoch auf den Gornergrat fahren kann, oder zurück ins Tal.
Rundwanderung aufs Rinerhorn Nr. 2217
Jatzmeder • GR

Rundwanderung aufs Rinerhorn

Die Wanderung beginnt gemütlich: Mit der Rinerhornbahn geht es von Davos Glaris hinauf zur Bergstation Jatzmeder. Wer vor dem Wandern noch einkehren will, findet im Bergrestaurant Jatzmeder einen grosszügigen Gastraum und eine grosse Terrasse. Von hier aus startet der Wanderweg hinauf aufs Rinerhorn. Auf einem schmalen Pfad geht es über Alpweiden bis zum Bergrestaurant Hubelhütte. Eine Rast lohnt sich: Von der gemütlich dekorierten Terrasse aus geniesst man eine grossartige Aussicht ins Tal hinunter und auf die umliegende Bergwelt. Frisch gestärkt nimmt man dann den folgenden steilen Anstieg leichter unter die Füsse. Im Zickzack steigt man auf bis zum Gipfel des Rinerhorns. Ein Gipfelbuch erzählt, wer vor einem schon hier war. Dann folgt man dem schmalen Gratweg mit leichtem Anstieg in Richtung Marchhüreli. Immer mit Blick auf die wilde Landschaft, wo das Wetter schnell wechselt und Wolken rasch an den Gipfeln vorbeiziehen. Der Abstieg vom Grat ist zwar schmal, aber technisch einfach und gut ausgebaut. Ebenso der darauffolgende Weg durch ein Geröllfeld, der sehr gut markiert ist. Mit jedem Meter Abstieg nimmt die Vegetation wieder zu: Vorbei an wunderschön blühenden Alpenrosen nähert sich die Rundwanderung ihrem Ende. Ein Bächlein plätschert, man überquert es, Bäume bieten wieder etwas Schatten und schon ist man zurück bei der Bergstation Jatzmeder. Im Restaurant kann man den Wandertag bei Kaffee und Kuchen ausklingen lassen, bevor es mit der Gondel wieder ins Tal hinunter geht.
Wanderung über den Grat der Schratteflue Nr. 2228
Kemmeribodenbad • BE

Wanderung über den Grat der Schratteflue

Das Abenteuer beginnt im charmanten Weiler Kemmeribodenbad im Kanton Bern, der sowohl mit dem Auto als auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist. Kurz nach dem Start der Wanderung überquert man die Grenze zum Kanton Luzern und folgt einem breiten Weg, der am Fuss der Schratteflue sanft ansteigt. Ab dem Hof Schneeberg wird der Weg steiler und führt um das Böli herum aufwärts bis auf 1762 m ü. M. Hier hat man die Wahl, auf welcher Route man den Schibegütsch besteigen will: entweder geradeaus auf einem rot-weiss markierten Bergwanderweg oder links auf einem anspruchsvolleren blau-weiss markierten Alpinwanderweg. Der Alpinwanderweg, der erfahrenen Wanderinnen und Wanderern vorbehalten ist, schlängelt sich zwischen den Felsen hindurch und führt über eine beeindruckende Reihe von Leitern durch einen ehemaligen Militärstollen. Jenseits des Stollens auf rund 1900 Metern über Meer windet sich der Weg zwischen kleineren Felsen hindurch und gibt schliesslich den Blick auf eine spektakuläre Aussicht frei – auf das Hohgant-Massiv. Bei der Ankunft auf dem Gipfel des Schibegütsch tut sich ein atemberaubendes Panorama auf die Brienzer-Rothornkette und die Schweizer Alpen auf. Eine unvergessliche Belohnung für den anstrengenden Aufstieg. Weiter geht es über den Grat der Schratteflue, vorbei am Türstehäuptli bis zum Pt. 2033. Auf der rechten Seite folgt der Abstieg über Mattestall in Richtung Chlushütte über einen felsigen Weg, der sich zwischen den Karrenfeldern hindurch schlängelt. Ab dem Pt. 1762 gelangt man auf den Aufstiegsweg zurück, allerdings mit einer Abkürzung über Under Imbärgli. Neben den spektakulären Ausblicken bietet diese Wanderung die Möglichkeit, Alpen-Enzian zu bewundern und gelegentlich sogar ein paar Alpensalamander zu beobachten.
Auf dem Leiterliweg bis Niderbauen Chulm Nr. 2272
Seelisberg, Geissweg — Niederbauen • UR

Auf dem Leiterliweg bis Niderbauen Chulm

Welches ist der schönste Aussichtspunkt am Vierwaldstättersee? Der Pilatus mag zwar der höchste sein, und die Rigi der am meisten besuchte. Aber auch der Niderbauen Chulm hat einige Trümpfe im Ärmel, die ihn zu einem Topanwärter machen. Denn hier oben reicht der Blick vom gebirgigen Ende des Sees bei Flüelen bis zu seinem anderen Ende bei Luzern. Zudem geht es viel ruhiger zu und her als auf seinen beiden illustren Nachbarn. Der Aufstieg von der Urner Seite her, von Seelisberg, ist mit 1200 Metern kein Pappenstiel. Wer will, stärkt sich vorher noch mit einem Kaffee beim Naturcamping Seelisberg am verträumten Badesee unweit der offiziellen Routenführung. Eine zweite Pause bietet sich beim Schlösschen Beroldingen an, dem einstigen Landsitz eines Urner Adelsgeschlechts. Beim Alpbeizli Weid auf knapp 1300 Metern hat man bereits knapp die Hälfte des Aufstiegs geschafft und kann auf der Terrasse wunderbar die Aussicht bestaunen. Ein weiteres, flacheres Gelände folgt bei der Alp Lauweli. Danach wird es herausfordernd –auch für geübte Berggängerinnen und Berggänger, aber zugleich ist esder spannendste Abschnitt. Nach der Durchquerung einer Geröllhalde und einigen steilen Spitzkehren ist etwas Kraxeln angesagt – Treppen und Ketten helfen über den Felssims. Der Höhepunkt ist eine etwa zehn Meter lange Leiter, die in einem geneigten Schacht im Berginnern in die Höhe führt. Dann sind nochmals etwa zwei Dutzend Spitzkehren zu meistern, und man steht auf dem Pässchen zwischen Gütsch und Niderbauen Chulm. Nur noch einige wenige Minuten, und man ist auf dem Gipfel. Nach dem steilen Aufstieg endet die Wanderung sanft und leicht. Bei der Alp Tritt kann man im Sommer nochmals einkehren und Alpkäse kaufen, kurz danach den startenden Gleitschirmpiloten zuschauen und schliesslich beim Berggasthaus Niederbauen auf die Luftseilbahn ins Tal warten.
Auf dem Gratweg am Käsenberg Nr. 2271
Plasselb, Dorf — La Berra • FR

Auf dem Gratweg am Käsenberg

«Nach einem freien Tag sollte man nie arbeiten», steht auf einem Holztäfelchen bei einer liebevoll gestalteten Sitzgelegenheit auf der Muschenegg. Wer diesem Rat folgen möchte, nimmt einfach ein leichtes Zelt mit und checkt via Nomady online bei Norbert Bächler ein. Der Gastgeber der Alp Cousimbert des Particuliers bietet drei Zeltplätze auf der Wiese vor seiner Alphütte an. Die abwechslungsreiche Wanderung startet im Dorfkern von Plasselb und führt zunächst hinunter an das Ufer der Ärgera. Nach den ersten zwei Kilometern Einlaufen im Flachen kommt der anstrengendste Teil der Tour: Über die Weiden der Gross Schwand geht es in den Burgerwald und auf einem steilen Zickzackweg auf die Muschenegg. Oben wird der weitere Verlauf der Wanderung ersichtlich – der Käsenberg und der Gipfel des Zielorts La Berra rücken ins Panoramabild. Der nächste Aussichtspunkt bei der Chrüzflue lässt nicht lange auf sich warten. Weiter geht es im gemütlichen Aufwärtsschritt und immer wieder durch bewaldete Abschnitte zur Buvette du Gros Cousimbert. Der beliebte Ausflugsort begeistert bei guter Sicht mit einem Weitblick auf sieben Seen. Danach ist von Campierenden Aufmerksamkeit gefragt: Nach der Abzweigung zum Gipfel des Käsenbergs gilt es, Ausschau nach einem grossen Holzpfeil zu halten. Dieser ist auf dem breiten Grat in Richtung La Berra auf der linken Seite platziert und zeigt in Richtung Cousimbert des Particuliers, wo der Zeltplatz wartet. Wer die Wanderung ohne Übernachtung macht, folgt einfach dem offiziellen Weg nach La Berra, wo es mit dem Sessellift oder der Gondelbahn talwärts geht.
Blühende Alpwiesen und Hochmoore am Lukmanier Nr. 2270
Acquacalda • TI

Blühende Alpwiesen und Hochmoore am Lukmanier

Wer das Wandern gerne mit naturnahem Campen verbindet, ist auf diesem wunderbar ruhigen Fleckchen Erde zwischen dem Lukmanierpass und dem Bleniotal bestens aufgehoben. Die Rundwanderung beginnt direkt beim Wanderwegweiser an der Hauptstrasse vor dem Pro-Natura-Zentrum Lucomagno in Acquacalda, das über einen Zeltplatz verfügt. Dem Naturlehrpfad Nummer 5 folgend, geht es zunächst in Richtung Croce Portera. In der ersten halben Stunde geht es konstant bergauf. Nicht selten flattert ein Schmetterling mit leichten Flügelschlägen vorbei. Schon bald ist man von der Schönheit dieser Gegend eingenommen. Ist man oben bei der Croce Portera angekommen, befindet sich dort eine Holzbank, die nicht zufällig dort platziert wurde: Die Aussicht und die Weite, die einen hier erwarten, erfüllen einen mit einer Freude, die man auskosten möchte. Zum Glück wird man davon noch ein Stück auf dem Weg nach Dötra begleitet, der leicht abwärts über die saftig grünen und blühenden Alpwiesen der Hochebene führt. In der Capanna Dötra ist für eine Stärkung mit lokalen Produkten gesorgt. Danach geht es abwärts durch eine schattenspendende Schlucht nach Campra. Die Hochmoorlandschaft ist das Zuhause von besonderen Arten wie dem Rundblättrigen Sonnentau, einer fleischfressenden Pflanze, oder der seltenen Arktischen Smaragdlibelle. Der letzte Abschnitt führt steil durch eine Schlucht hinauf nach Pian Segno und schliesslich wieder zurück zum Campingplatz, wo sich nachmittags die Gäste auf der Terrasse des Restaurants eine Erfrischung gönnen – beispielsweise ein Gelato artigianale aus dem Bleniotal.
Sonnenterrasse mit Ausblick auf das Goms Nr. 2269
Ritzingen • VS

Sonnenterrasse mit Ausblick auf das Goms

Der Wanderweg führt mitten durch den Campingplatz: Entlang der jungen Rhone bei Ritzingen sind Wohnmobile und Zelte platziert. Bei der Buvette direkt an der Ritzibrigge holen sich verschlafene Camper ihre Zmorgebrötchen ab, während Wandernde bereits frohgemut in die Höhe streben. Fast 600 schweisstreibende Höhenmeter sind es vom Talboden bis auf die Alp Bordstafel. Belohnt wird der sportliche Aufstieg mit einer Aussicht über das Goms und auf die Walliser, Berner und Urner Alpen. Von der Ritzibrigge geht es zunächst ein kurzes Stück flussaufwärts, bevor der Wanderweg rechts in Richtung Mannlibode und Grathorn abzweigt. Durch lichte Lärchenwälder und über Kuhweiden führt der Weg stetig bergauf. Auf der gegenüberliegenden Talseite fällt der Blick immer wieder auf die Ritzinger Wallfahrtskapelle. Über dem Ritzibach wandert man weiter, bis der Weg den Bach überquert. In der schattigen Schlucht gibt es manchmal bis weit in den Sommer hinein noch Schneereste. Doch dann steigt man hoch auf die Sonnenterrasse der Alp Bordstafel und lässt die Erinnerung an den Winter schnell hinter sich. Die ehemaligen Alphütten sind heute Jagd- oder Wochenendhäuschen – aber ohne jeglichen Schnickschnack. Luxuriös ist dafür das Bergpanorama, das vom Bettmerhorn über das Finsteraarhorn bis zum Galenstock reicht. Hinunter in Richtung Selkingen geht es zunächst über einen schmalen, steilen Pfad und später in weiten Kehren über ein Waldsträsschen. Unterwegs stehen ein paar besonders eindrückliche alte Lärchen. Bei Zeit, so heisst der Weiler südlich von Selkingen, erreicht man wieder das Ufer der Rhone. Flussaufwärts, vorbei an einer Fischzucht mit Restaurant, wandert man schliesslich zurück an den Ausgangspunkt in Ritzingen.
Aussichtsreiche Wanderung zum kristallklaren Wannisbortsee Nr. 2268
Furi — Innertkirchen, Innere Urweid • BE

Aussichtsreiche Wanderung zum kristallklaren Wannisbortsee

Oberhalb des beschaulichen Dorfes Guttannen im Berner Haslital liegt auf 2104 Metern Höhe der Wannisbortsee – ein Hochgebirgssee wie aus dem Bilderbuch: eiskalt, glasklar und in allen Blautönen schimmernd. Im Sommer blühen pinke Alpenrosen an seinen Ufern, während im Hintergrund das Ritzlihoren majestätisch in die Höhe ragt. Die Wanderung zum Wannisbortsee dauert von Guttannen rund drei Stunden und kann mit dem Alpentaxi erheblich abgekürzt werden. So kann man rund 700 Höhenmeter Aufstieg einsparen, was sich empfiehlt, wenn die Wanderung nach einem erfrischenden Bad im Wannisbortsee fortgesetzt wird – zum Beispiel Richtung Bänzlouwialp. Auch hier blüht links und rechts der Rhododendron ferrugineum – im Volksmund Alpenrose genannt – und setzt einen intensiven Kontrast zur graugrünen Gebirgswelt. Bei der Ober Homad wartet eine idyllische Hochebene, auf der Bergföhren und Heidelbeersträucher wachsen. Beim Abstieg zur Bänzlouwialp bahnt sich der Wanderweg durch teils üppiges Farngewächs. Nach der Überquerung des Bänzlouwibaches ist die Alp erreicht. In sanftem Auf und Ab geht es nun weiter Richtung Alp Blatten. Unterwegs können einem Schafe, Ziegen, Kühe und gar Pferde begegnen. Tatsächlich liegt der Wanderweg teilweise im Bereich einer Herdenschutzzone, die auch im Gelände markiert ist. Der Ausblick auf die gegenüberliegende Bergkette ist während der gesamten Wanderung grossartig. Nachdem das imposante Ritzlihoren zurückgelassen worden ist, wandert der Blick nun auf den Gallouwisteck und weiter bis zum Wetterhorn. Im Südwesten thront das gewaltige Massiv der Engelhörner, und im Tal ist bereits Innertkirchen ersichtlich. Der Abstieg ab Alp Blatten ist relativ steil, und in vielen Kehren und Wenden verliert man schnell zahlreiche Höhemeter – fast 900 sind es bis ins Haslital hinunter, wo einen bei der Haltestelle «Innertkirchen, Innere Urweid» der Bus wieder abholt.
Übers Nägelisgrätli zum Rhonegletscher Nr. 2267
Grimsel Passhöhe • BE

Übers Nägelisgrätli zum Rhonegletscher

Der Grimselpass ist geprägt vom Verkehr, von Kraftwerksanlagen und von Hochspannungsleitungen. Trotzdem ist es eine faszinierende Gegend: während Jahrtausenden von Gletschern geformt, den rauen Bedingungen auf 2164 Metern über Meer ausgesetzt und doch sanft vom warmen Licht des Südens beschienen. Auf der Passhöhe am Totesee treffen sich Motorradfahrer, Wanderinnen und Ausflügler zum Morgenkaffee. Anschliessend geht es für die Motorisierten nur noch bergab, zu Fuss kann man hingegen nach Höherem streben. Der Wanderwegweiser steht hinter dem Restaurant Alpenrösli und zeigt in Richtung Nägelisgrätli und Rhonegletscher. Nach einem kleinen, namenlosen Seelein nahe der Passstrasse steigt der Weg bereits steil an. Teilweise wie ein Saumweg ausgebaut, führt er dem Vorder Gärstenhorn entgegen bis aufs Nägelisgrätli. Schön zu sehen sind überall die Spuren der längst verschwundenen Gletscher. Schmal oder besonders abschüssig ist der Grat nirgends. Ein erster Höhepunkt der Tour ist der Grätlisee. Er liegt geschützt in einer vom Eis in die Felsen geschliffenen Mulde. Oft spiegeln sich der schneebedeckte Galenstock und die anderen imposanten Dreitausender in der glatten Wasseroberfläche. Influencer haben dies auch schon entdeckt, überlaufen ist der Spot trotzdem noch nicht. Nach dem See führt der Wanderweg noch weiter über Geröllfelder, bis der Rhonegletscher in seiner ganzen Pracht zum Vorschein kommt. Wie von einem Balkon aus sieht man den neun Kilometer langen Eisstrom vom Einzugsgebiet bis zur Zunge und zum immer grösser werdenden Gletschersee nahe der Furkapassstrasse. Hier, beim Punkt 2651, endet der offizielle Wanderweg. Die Markierungen gehen allerdings noch weiter, und man kann getrost bis auf die prägnante Moräne absteigen. Danach ist eine Rückkehr zum Grimselpass auf derselben Route empfehlenswert.
Aussichtsreich zum Oberaarsee Nr. 2266
Grimsel Passhöhe — Berghaus Oberaar • BE

Aussichtsreich zum Oberaarsee

1719 war es, als der Fund einer grossen Kristallkluft am Fusse des Vorder Zinggestocks eine Euphorie im Haslital auslöste. Um die 50 Tonnen Kristalle bargen die Strahler in den darauffolgenden Jahren aus der 40 Meter langen Höhle. Sie verkauften die Steine nach Mailand und Paris, wo aus ihnen Schmuck und Kunstgegenstände gefertigt wurden. Drei der Kristalle sind heute noch im Naturhistorischen Museum in Bern zu sehen, die Strahler gaben sie dem Staat Bern als Steuern ab. Den grossen Fund macht man auf der Familienwanderung von der Grimselpasshöhe zum Berghaus Oberaar wohl nicht. Aber mit etwas Ausdauer findet sich hier schon das eine oder andere glasklare Kristallspitzchen, das sich zu Hause auf dem Nachttischchen gut macht. Am besten, man packt dazu Hammer und Meissel in den Rucksack – und einen Schraubenzieher zum Stochern. Den einzigen grösseren Aufstieg gibt es am Anfang: Mit Aussicht auf den Totesee und den Grimselpass wandert man in Spitzkehren bis zur Hüsegghütte, wo das mitgebrachte Znüni genossen werden kann. Fortan zieht sich der Granitweg die Höhe haltend der Flanke des Sidelhorens entlang. Bald sieht man den Vorder Zinggestock und den Grimselsee, an dessen rechtem Ufer die leere Kristallkluft liegt – unerreichbar für Wandernde. Umso mehr geniesst man die raue Gebirgswelt, der die Kraftwerke Oberhasli mit ihren Anlagen Strom abtrotzen: Triebteseewli wie auch Oberaarsee haben Staumauern. Die ehemals für die Mitarbeitenden gebauten Seilbahnen sind heute öffentlich: So beginnt diese Wanderung mit der Fahrt mit der Sidelhornbahn vom Grimsel Hospiz aus auf die Passhöhe – alternativ fährt das Postauto auf die Passhöhe – und wird mit der Talfahrt in der Oberaarbahn beendet. Das Berghaus Oberaar rundet die Wanderung ab: Hier kann eingekehrt werden – und wer am nächsten Tag noch Lust auf eine kurze Wanderung zum Gletschertor des Oberaargletschers hat, kann hier auch übernachten.
Zwei Tage im Vorfeld des Unteraargletschers Nr. 2265
Grimsel, Hospiz • BE

Zwei Tage im Vorfeld des Unteraargletschers

Kurz bevor das Postauto nach kurvenreicher Fahrt von Meiringen aus den Grimselpass erreicht, eröffnet sich rechterhand eine eindrückliche Sicht in ein langes und tief eingekerbtes Tal. Zwischen glatt geschliffenen Talflanken schimmert der grünliche Grimsel-Stausee, und weit im Hintergrund ragt das Finsteraarhorn in den Himmel. Es ist eine urweltliche, allerdings auch vom Menschen geprägte Szenerie, die sich gut auf einer zweitägigen Wanderung zur Lauteraarhütte und zurück erkunden und erleben lässt. Sie beginnt beim Hotel Grimsel Hospiz und verläuft am Nordufer des Grimselsees entlang. Der Abschnitt ist zwar lang, überrascht aber immer wieder mit kleinen Mooren, sprudelnden Bächen und einigen mächtigen Arven. Überall an den felsigen Hängen sind die Spuren der einst mächtigen Gletscher auszumachen. Beim westlichen Ende des Grimselsees beginnt das Vorfeld des Unteraargletschers, eine weite Auenlandschaft mit viel Kies und Sand, durch die sich die junge Aare schlängelt. Manchenorts konnten bereits Sträucher und Bäume Fuss fassen, während andernorts erst Moose den jungen Boden bedecken. Durch den Klimawandel hat sich der Gletscher in den letzten Jahrzehnten weit zurückgezogen und hat auch mächtig an Dicke verloren. Nach einem etwa einstündigen, aber technisch einfachen Aufstieg ist dann die Lauteraarhütte SAC erreicht. Der traditionelle Steinbau sitzt auf einer kleinen Schulter auf fast 2400 Metern, mit eindrücklichem Blick auf die Viertausender Finsteraarhorn, Lauteraarhorn und Schreckhorn. Auf der Terrasse, die sich fast um das ganze Haus zieht, lässt es sich herrlich ausruhen, und mit etwas Glück kann man in der Umgebung Gämsen ausmachen. Am zweiten Tag geht es dann auf derselben Strecke zurück zum Grimselpass.
In Walsers Fussstapfen nach St. Gallen Nr. 2264
Herisau — St. Gallen, Bahnhof • AR

In Walsers Fussstapfen nach St. Gallen

«Spazieren muss ich unbedingt», schrieb Robert Walser vor über 100 Jahren in einem seiner bekanntesten Werke «Der Spaziergang». Der Schweizer Schriftsteller, der auch als «König der Spaziergänger» bekannt ist, war viel unterwegs. Vor allem während seiner vielen Jahre in der Heil- und Pflegeanstalt Herisau wanderte er unablässig durch die Appenzeller und St. Galler Hügel und Täler. «Ohne Spazieren wäre ich tot», so Walser in seiner Erzählung. Dank Walsers Förderer und Begleiter Carl Seelig sind viele seiner Spaziergänge – respektive Wanderungen – heute noch nachvollziehbar. Ein besonders schöner führt von Herisau über den Aussichtspunkt Solitüde bis nach St. Gallen. Vom Bahnhof Herisau folgt man dem Wegweiser in Richtung Sturzenegg und kommt zunächst am Friedhof vorbei, wo Walser begraben ist. Danach geht es hinunter zum Sportplatz und wieder hinauf zur Sturzenegg, wo ein schönes Landgasthaus zur Einkehr verleitet. Der Weg führt dann ins Tobel der Urnäsch und bis zu deren Mündung in die Sitter. Hier spannen sich ein imposantes Bahnviadukt und eine uralte Holzbrücke über die Gewässer. Etwas weiter Richtung Störgel folgt die eindrückliche Überquerung der 355 Meter langen und fast 100 Meter hohen Stahlfachwerkbrücke nach St. Gallen, Haggen. Nach dem Wohnquartier steigt der Weg dann zum Aussichtspunkt Solitüde an, wo sich ein Blick vom Bodensee bis zum Säntis bietet. Nun geht es hinunter ins Quartier Riethüsli und wieder hinauf zum Berneggwald und zum frisch renovierten Schloss und Restaurant Falkenburg. Mit der Mühleggbahn oder zu Fuss durch die Mülenenschlucht gelangt man schliesslich direkt in den Stiftsbezirk von St. Gallen, der wegen seiner berühmten Bibliothek, des Klosters und der Stiftskirche zum Unesco-Weltkulturerbe gehört. Danach ist es nicht mehr weit bis zum Bahnhof.